Samstag, 21. Dezember 2013

"Rätsel zur Herkunft von Redewendungen" mit Marcus und Sven am 21.12.2013

Muse - Supermassive Black Hole (live 2010)

Wir hatten keinerlei schwarzes Loch vor Augen. Und auch nicht im Hirn. Die Fragen zur Herkunft der Redewendungen waren nicht einfach (zu ergooglen), denn die Antworten entstammten einer Vorlage der Moderatoren, die in dieser Weise offenbar im Netz nicht wiedergegeben war.

Die Hörerbeteiligung war absolut enorm, es wurde geraten, was das Zeug hielt. Nur so (und durch etliche Musikpausen - sehr angenehm übrigens) ist es zu erklären, dass es nur zu 14 Quizfragen kam. Primär wählten sich die Stammhörer die Finger wund (wo blieb eigentlich des Meistahs Zeichen „aus dem All“ zwischen München und Frankfurt), da sie viele äußerst nachvollziehbare Ideen zur möglichen Lösung hatten. Vielleicht hat der ein oder andere „Zugeschaltete“ (wegen ständigem Besetzt-Ton im Telefon oder wegen fehlender Telefonnummerangabe) einfach aufgegeben.

Interessant waren sowohl Fragen als auch Antworten allemal:

1) Deadline (der Zeitpunkt, zu dem spätestens etwas fertig sein muss, z.B. Abgabe-/Redaktionsschluss bei der Zeitung)
Thorsten erhielt am Ende die Punkte mit seiner Erklärung, dass diese Redewendung aus dem „wilden Westen, also von den typischen amerikanischen Gefängnissen der Frühzeit aus den Vereinigten Staaten entstammt. „Wenn einer ausbricht, sobald er über diese Grenzlinie hinweg ist, knallen wir ihn einfach ab.“
Tatsächlich entstammt es aus dem amerikanischen Bürgerkrieg 1861 bis 1865, wo es erste Massenschlachten mit modernen Waffen (fast 4 Millionen Soldaten) gab. Da es keine derart großen Lager für Gefangene gab, wurden Linien auf den Boden gezeichnet und wer diese Linie übertreten hat, wurde schlicht und einfach erschossen.

2) Jemandem einen Denkzettel verpassen (Bestrafung durch Nachdenken)
Diese Redewendung gibt es schon seit dem 16ten Jahrhundert. Als man den Schülern in Klosterschulen bei wiederholtem schlechten Benehmen oder Verstoß gegen die Schulregeln einen Denkzettel erteilt hat. Dieser hing an einer Schnur über dem Hals und darauf waren sämtliche Fehler des Schülers notiert. Je nach Schwere des Verstoßes bemaß sich der Zeitraum, in dem der betreffende Schüler diesen „Schandzettel“ auf dem Rücken tragen musste. Er war damit dem Gespött der Mitschüler und der körperlichen Züchtigung der Lehrer ausgesetzt. Keine echte Spaßveranstaltung also.

Dann kam Internatsmusik mit Medium Medium - Hungry, So Angry

3) Jemand ist nicht ganz dicht (nicht ganz bei Verstand, nicht normal)
Es wird die gewisse Unreife von kleinen Kindern, die ihren Urin noch nicht halten können, unterstellt. Und deshalb sagt man über Erwachsene, die „nicht ins Schema passen“ gerne mal, sie seien nicht ganz dicht.

Paul McCartney - My Valentine (mit der Gebärdensprache von „Black-Swan“-Darstellerin Natalie Portman und  Gitarrenspiel von Johnny Depp)

4) Woher kommt die Entgegnung “dito” (ebenfalls) auf freundliche Wünsche von anderen?
Beugungsform des italienischen Verbs dire (sprechen), nämlich detto, was bedeutet „das bereits gesagte“, ursprünglich von Kaufleuten verwendet.

5) Auf den letzten Drücker (im letzten Augenblick/Moment):
Dazu gibt es 2 Erklärungen:
a) Bei abfahrenden Zügen konnte man noch mal „guten Beines und kräftigen Fußes“ auf den Zug aufspringen, wenn man an der letzten Tür des Zuges den „Drücker“ betätigte und aufsprang.
b) Soll vom Kartenspielen kommen, der letzte entscheidende Stich ist der letzte Drücker, der in die Allgemeinsprache wanderte.
Die Hörer assoziierten dazu  „den letzten Schnaps verdrücken“; die Drückerkolonne drückt die Türklingel; letzte Zigarette ausdrücken, wo einem doch nach was einfällt; der letzte macht das Licht aus; der letzte Tropfen wird aus der hängenden Schnapsflasche herausgedrückt“.
„Ihr seid ganz herrlich“ hätte Nena bei „Voice of Germany“ dazu gesagt!!!

6) Um die Ecke bringen (jemanden umbringen)
Der Mensch, der nicht mehr existiert, wird aus dem Blickfeld der Menschen (um die Ecke) verschoben.
Ben erhielt einen Punkt für ihre Erklärung: „Wenn man einen getötet hat, muss mer ihn ja auch wegschaffen. Wenn der da nur herumliegt, gehen die Verdächtigungen gleich los, dann muss man ihn möglichst weit weg bringen, weil im Moment die in unmittelbarer Nähe stehenden Personen zunächst mal den Verdächtigungen ausgesetzt sind und man aus Mördersicht erstmal seine Ruhe hat und von der Polizei unbehelligt ist.“
Patrik war klar: „Das Verbrechen passiert immer erst um die Ecke. Auf der großen Hauptstraße wird man eingehakt und in die Seitenstraße hineingezogen und ausgeraubt/umgebracht. Es passiert also in der Hinterhofecke
Marcus fasste zusammen: „Man wird erst um die Ecke gebracht und dann um die Ecke gebracht.“
Armin zitierte aus Brecht/Weils Dreigroschenoper: „Und ein Mensch geht um die Ecke, den man Mackie Messer nennt. Und Schmul Meier bleibt verschwunden und so mancher reiche Mann, und sein Geld hat Mackie Messer, dem man nichts beweisen kann.“

Wie passend schon wieder die Musik
Peter Murphy - Cuts You Up (1990)

7) Eigenbrötler (Einzelgänger, den die Meinung der Gemeinschaft nicht interessiert)
Wieder 2 Lösungsmöglichkeiten:
a) Früher gab es im Dorf das Backhaus. Der Sonderling backte sein eigenes Brot und beteiligte sich nicht am gemeinsamen Backen.
b) Im 16. und 17. Jahrhundert bekam der Eigenbrötler im Krankenhaus seine Verpflegung, weil er es bezahlen konnte. Er war dadurch privilegiert und hielt sich von den anderen Insassen, die meist auf Almosen angewiesen waren, fern.

Fraktus - All die armen Menschen (1983)

8) Jemandem etwas einbrocken (jemanden in Schwierigkeiten bringen)
Die Suppe war immer sehr dünn, deshalb haben alle in den Suppentopf ihr altes Brot hineingeworfen und zusammen ausgelöffelt, was man sich vorher eingebrockt hat.

9) Einbuchten (verhaften ohne Möglichkeit zum Entrinnen)
Die Bucht (Schweinebucht) war früher der (Pferde-)Stall; jemand wurde im Stall, der Bucht, eingeschlossen.

10) Eingefleischt
Lateinisch „Incarnatus“, von Inkarnation. Jesus ist der fleischgewordene Sohn Gottes. Ein Plan, der zunächst im Geiste existierte, materialisiert sich und wird ganz und gar zu Fleisch.

Tongue Forest - And you got the f. nerve to call me coloured

11) Es geht ans Eingemachte (die letzten Reserven werden herausgeholt/von den Rücklagen gelebt, es geht an die Substanz)
Die Menschen „machten/weckten ein“ zwecks Vorratshaltung für die Zeiten, in denen der Garten nichts Frisches mehr hergibt. Dann geht man an das Zeug, das im Keller steht, was man vorbereitet hat für die Winterzeit bzw. schlechte Monate. Patrick erinnerte sich an die ursprüngliche Art einer Familie, Sauerkraut-Fässer anzulegen und erzählte eine erschütternde Geschichte, in der das Gut vom Vater versalzen wurde und die Familie dadurch nahezu verhungerte.

12) Etwas ergattern (auf pfiffige, vielleicht etwas unkorrekte Weise etwas erhalten, womit man nicht rechnete)
Menschen aus der Landwirtschaft errichteten einen Zaun um ihr Gebiet, um fahrende Händler, Bettler, Landstreicher etc. vom Hof bzw. vom Mundraub vom Hof abzuhalten. So konnte man nur durch das Gatter etwas verhandeln. Durch das Gatter wurde der Almosen gereicht.

13) Erlkönig (als Bezeichnung für den Prototyp eines Autos)
In Goethes Gedicht war der Erlkönig nur für das Kind sichtbar. Die Hersteller versuchen, das genaue Aussehen der neuen Fahrzeuge geheim zu halten (mit Pappe und anderem Outfit), um den Papparazzi von Automagazinen einen „Strich durch die Rechnung“ zu machen. Der Name stammt aus 1952, wo man einem Automagazin Bilder vom damals neuen Mercedes 180 präsentierte. Die Redaktion veröffentlichte diese Fotos mit der freundlich netten Bildunterschrift mit „wer fährt so spät durch Nacht und Wind, ist es Daimlers jüngstes Kind?“ Seitdem bezeichnet man getarnte neue Automodelle als „Erlkönig“.

14) Nicht lange fackeln (nicht zögern, sondern umgehend antworten/handeln)
Stammt vom alten Verb (vackelen), womit wackeln gemeint war, also in erster Linie das unruhige Hin- und Herschwanken der Fackel. Man sollte nicht hin- und herschwanken, sondern sich ruhig bewegen.

Punktenotation der 9 aktiven Teilnehmer (allesamt am Telefon, da ohne Meistah kein Twitter) am 21.12.2013:

1) Thorsten, aka @Lalelu: 22
2) Ben: 18
3) Patrick: 14
4) Katrin: 13
5) Dagi: 6
6)Armin: 3
6) Matthias/Bad Homburg: 3
8) Dogan: 1
9) Joe: 1

Wir wünschen allen ein schönes Weihnachtsfest! Das alfa-beet am 25.12.2013 fällt aus, weil vermutlich niemand zuhört und eine Call-In-Sendung wenig sinnvoll wäre. Aber Radio X bringt dennoch immer etwas Gutes (auch zur normalerweise üblichen Hausmeister-Zeit von 22 bis 23 Uhr am Mittwoch). Lasst es Euch gut gehen. Wir hören uns wieder mit dicken Bäuchen am kommenden Samstag!!!!

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