Samstag, 15. September 2012

Rätsel zu Redensarten und Wundern dieser Welt mit Sven und Tomas am 15.09.2012


Hausmeisterrätsel-Intro sowie Einstimmungs-/Vorbereitungslied: "Blinded by the Light" Hoxton Whores Vs Manfred Mann

Unsere Hörer sind nicht vom Licht geblendet und hochgeschleudert wie der Teufel, sondern nur ein weiterer Renner am Tag! Denn zu diesen Fragen äußerten sie sich in bester Laune:

1) Sich abgespannt fühlen, woher stammt das?
Das ehemalige Fortbewegungsmittel war das Pferde-Fuhrwerk. Wenn die Pferde abgespannt waren hatten die Menschen ihr Tagwerk beendet und der Feierabend begann.

2) Woher stammt der Begriff  "abhauen"?
Mit "Hau Ruck" brachte man Pferde durch Peitsche und Sporen dazu, ihren Gang zu beschleunigen. Und im Grimmschen Wörterbuch wurde das Wort „hauen“ mit „eilen“ übersetzt und begründet mit dem Einhauen der Sporen in des Rosses Weichen. Wenn ein Knopf oder ein Zug „ab“ ist, dann isser weg. Man könnte es also auch mit „enteilen“ beschreiben.

3) Jemanden mit etwas abspeisen - wo kommt das her?
Es gibt Quellen, die davon ausgehen, dass es mit der Armenspeisung früherer Jahrhunderte zu tun hätte, diese Erklärung ist aber nicht so anerkannt, vielmehr folgende Deutung:
Es kam von der Brautwerbung. Wenn der Schwiegersohn in spe im Laufe der Eheanbahnung die Brauteltern aufgesucht hat, stand den potentiellen Brauteltern ein praktisches Verfahren zur Verfügung, mit dem lange und lästige Diskussionen vermieden werden konnten. Das Essen, das sie bei diesem Besuch auftischten, beantwortete die Frage, ob sie mit dem Bewerber einverstanden sind, wobei regionale Unterschiede galten.
In Hessen z.B. galt ein Bräutigam als abgelehnt, wenn ihm statt Wurst und Schinken nur Käse angeboten wurde.
In Teilen Westdeutschlands war ein geschmiertes Butterbrot ein Symbol der Ablehnung. Wer im Oldenburger Raum Rüben und Kartoffeln vorgesetzt bekam, wusste, dass er durchgefallen war. Man hatte ihn ganz einfach abgespeist.

4) Woher stammt der Begriff „etwas ausbaden“?
Ausbaden muss man etwas, wenn man die Konsequenzen für ein unangenehmes (möglicherweise nicht selbst verschuldetes) Ereignis tragen muss.
Herkunft: Die Verfügbarkeit von warmem Wasser war früher nicht so leicht wie heute aus dem Wasserhahn. Dogan vermutete aus diesem Grund, dass daher zunächst die Reichen in frischem Wasser badeten und die Ärmeren danach im bereits eingeschmutzten Wasser. Noch in den 60er Jahren badeten die Familienmitglieder in Deutschland nacheinander im selben Wasser. Der zuletzt Badende musste sich dann mit dem nicht mehr so sauberen und auch etwas kühleren Wasser zufrieden geben, was sicher kein „reines Vergnügen“ mehr war. In früheren Jahrhunderten musste der letzte auch noch die schmuddelige Wanne reinigen, er musste es also bis zum bitteren Ende ausbauen.

5) Ausmerzen
Kommt wieder mal aus der Landwirtschaft.
@LaLeLu mit ernorm authentisch nordischem Akzent: „muss mal sogen, dat kommt aus de Landwirtschaft. Früher ham die Bauern im März (merze) das wat an schwache Geburten von die Schafe war, umgebracht, damit die Starken mehr von die Milch von die Mutter kriegen. Weil das immer im März gemacht wurde, ham die das Merzen genannt".
Auf Hochdeutsch: im März wurden schwache oder zur Zucht unbrauchbare Schafe (Merzschafe) ausgesondert.

Beim diesem Akzent fällt dem Meistah glatt eine Textzeile des norddeutschen Betonbauers Mike Krüger ein:
Denn ich bin Hein, Hein vonne Werft
Und ich kann's nun mal nicht ab wenn man mich nervt
Und wenn mich einer nervt zähl ich bis acht,
Und dann kriegt er in die Schnauze bis er lacht.

6) Woher stammt der Begriff "Altweibersommer"
Im Altweibersommer sieht man verstärkt Spinnweben mit Tautropfen, die an die grauen Haare von alten Frauen erinnern.
Eine andere Erklärung geht auf die Germanen zurück, die mit dem Wort „weiben“ das Weben oder Knüpfen von Spinnennetzen beschrieben. Nach deren Überzeugung glitzerten die von der Schicksalsgöttin gesponnenen Lebensfäden der Menschen in der Morgensonne nicht nur gegen Ende der heißen Jahreszeit, sondern aus zu Beginn. Da früher die Jahreszeiten nur zwischen Sommer und Winter eingeteilt waren, sprach man bei den Übergängen vom „jungen“ und „alten“ Weibersommer. Ute setzte nach, dass sich die Redensart schlichtweg nur auf die Lautverschiebung von Weben bezieht.

6) Abschaum und abgefeimt
Wird verwendet, wenn man jemand als raffiniert/durchtrieben bezeichnet. Stammt von alten Wort Feim (mittelhochdeutsch: Schaum), dem Rest aus der Badewanne. Das Entfernen von Schaum von Flüssigkeiten (bei der Glasschmelze). Du wäschst Dich, schäumst Dich ein und bist danach porentief rein. Der Rest davon ist der Abschaum.

7) Warum staunen wir manchmal Bauklötze?
Die Berliner sagten zu erstaunlichen Ereig-/lebnissen „da kannste Jlotzen machen” (Glotzaugen). Die durchreisenden Franken machten daraus “Klozzer”. Und heute das “Bauklötze staunen”. Boah sind das viele Bauklötze!

8) Wieso sagt man „Alles in Butter“?
Wird als Antwort verwendet, wenn es keinen Grund zur Sorge gibt, also alles in bester Ordnung ist.
Alexander meinte sich zu erinnern, dass die Frage schon mal gestellt wurde (wir erinnern uns nicht) und früher Porzellan aus China nach Europa transportiert wurde. Damit die kostbare Fracht nicht kaputt geht, hat man sie in Butterfett eingehüllt. Wenn diese selbst nach holprigsten Straßen ankam, war „alles in Butter“, weil dieser Verpackungsschutz sicher war.

9) Warum sagt man „Das kannst du halten wie ein Dachdecker“?
Oder hessisch ausgedrückt "Egal ist ein Handkäs, der stinkt vorne wie hinten".
Dachdecker können ungehindert arbeiten, weil sich sonst niemand so hoch hinaus wagt und sie kontrolliert und sie dadurch gewisse Freiheiten haben.

10) Was heißt „einen Bärendienst erweisen“?
Da tut jemand etwas in guter Absicht, das Resultat hat für den Empfänger jedoch negative Folgen (verschlimmbessert). Was hat das mit einem Bären zu tun?
In der Fabel des Dichters Jean de la Fontaine „L'ours et l'amateur des jardins“ (Der Bär und der Gartenfreund) treffen sich ein Bär und ein alter Gartenfreund, sie beschließen, zusammen zu leben, und jeder geht seiner Tätigkeit nach: Der Bär beschafft Wild und der Gartenfreund pflegt seinen Garten. Eines Tages setzt sich eine Fliege auf das Gesicht des schlafenden Greises. Der Bär will seinem Freund helfen und die Fliege verjagen, indem er einen großen Stein nach ihr wirft. Weder die Fliege noch der alte Mann überleben.

11) Woher stammt die Silbe „um“ bei Ortsnamen, bspw. in Bochum, Beckum?
Margarethe wusste, dass es sich bei dieser Silbe um die Kurzform/Lautverschiebung von Heim handelt (Mannheim spricht sich heute Mannem).
Zwang den Meistah zur bekannten Fragestellung, wie man Bochum und Köln in einem Satz unterbringt: Ein Hund boch um die Ecke, um zu pin köln. Bartwickelmaschine :-)

12) "Potzblitz" - woher stimmt dieser Ausruf?
Als Hinweis zitierte Sven aus dem Alten Testament „Du sollst den Namen Gottes, Deines Herrn, nicht unnütz brauchen."
In Flüchen wurde der Name Gottes aus Ehrfurcht nicht genannt, sondern mit Potz, Botz etc. entstellt. Wenn man flucht: „Gottes Blitz soll Dich treffen“, verwendet man die „Wildcard“ Potz und vermeidet damit eine Gotteslästerung.
Auch “Mein lieber Herr” ist eigentlich eine Anrufung Gottes. Daher wurde es verklausuliert zu “mein lieber Schwan” oder “mein lieber Herr Gesangverein”.

13) Wofür wurde die Himmelsscheibe von Nepra genutzt?
Sie zeigte schon sehr früh die konkrete und richtige Darstellung des Nachthimmels. Stern- und Mondbeobachtung war für die Menschen (Bauern vor allem) extrem wichtig. Diese Himmelsscheibe war eine Mischung von Sonnen und Mond-Kalender, auf der einige Daten festgehalten wurden wie z.B. die Sommer- und die Wintersonnenwende, der Frühjahrsanfang und der Erntebeginn.

Three Doors Down - Duck and Run

14) Wie können Küken im Ei atmen?
Ein Ei hat ca. 10000 Poren und ist luftdurchlässig, so dass für werdende Huhn-Embryos ein regelmäßiger Luftaustausch stattfindet. Am stumpfen Ende des Eis befindet sich zwischen Eihaut und Eierschale eine kleine Luftkammer. In dieser kleinen Luftblase ist immerhin so viel Luftvorrat, den das Küken kurz vor dem Schlüpfen benötigt.

Danach drängte es mehrere Hörer, ihre Hausmittelkenntnisse zur Prüfung des Alters eines Eis weiterzuvermitteln.
Eine seriöse Information war: „Die beschriebene Luftblase wird auch bei unbefruchteten Eiern mit der Zeit durch die normale Verdunstung des Wassers im Ei immer größer. Daher erkennt man an einem Ei im Wasserbehälter wie frisch es ist, da durch das Vergrößern der Luftkammer der Auftrieb größer wird.
Liegt das Ei in Bodennähe, ist es eher jung, oben an der Wasserlinie: älter.“

Matthias setzte nach mit seinem persönlichen Experiment, wie man ein rohes Ei zum Hüpfen kriegt, es danach jedoch nicht mehr genießen kann:
„Ein halben Tag in Essig einlegen, die Schale löst sich auf, die Eihaut bleibt erhalten. Wenn man das derart vorbehandelte Ei auf den Boden wirft, hüpft es“.

Der Meistah trug nach, wie man ein geschältes gekochtes Ei in eine Flasche schaffen kann, obwohl der Flaschenhals kleiner ist als das Ei selbst: „Ein Blatt Papier wird angezündet und in die Flasche geworfen, danach sofort das Ei obenauf gelegt. Durch den Sauerstoffverbrauch des Feuers wird Kohlendioxid erzeugt, so dass ein Unterdruck entsteht, der das Ei in die Flasche einsaugt“.

15) Warum können Säuglinge tauchen ohne sich zu verschlucken?
Säuglinge haben einen anderen Schluckreflex als Erwachsene (sonst wären sie im Mutterleib ertrunken): Beim Tauchen ins Wasser wird die Luftröhre geschlossen, die Atmung hört auf, der Herzschlag verlangsamt sich, um den Sauerstoffbedarf und die Blutversorgung aufs Nötigste zu reduzieren. Als Taucher muss man das später wieder lernen.

3 Doors Down - Away from the Sun

16) Wie schnell kann ein Mensch vom Himmel fallen?
Tomas überbrückte die Zeit mit der Erkenntnis: “It's not the fall that kills you — it's the sudden stop at the end”.
Marcel meinte sich aus einer Vorlesung zu erinnern, dass die Antwort 220 kmh lautet, weil mit stärkerer Fallgeschwindigkeit der Luftwiderstand größer wird. Er erhielt jedoch nur einen Anruferpunkt, da nur die Erklärung stimmte, aber nicht die Zahl zur konkreten Frage.
200 kmh ist die Standardgeschwindigkeit, die ein Fallschirmspringer erreicht.
Bei dem Menschen, der in den 60ern aus einem Ballon in 30 km Höhe ausstieg, sind 988 kmh gemessen worden.
Die Erdbeschleunigung beträgt 981 m pro Sekunde ohne Luftwiderstand, was umgerechnet 35 kmh wären. Nach einer Minute hätte man schon eine Geschwindigkeit von 2100 kmh und hätte die Schallmauer durchbrochen.  Hier ist daher der Luftwiderstand hinzuzurechnen. Jochen orientierte sich an der Schallgeschwindigkeit, die bei 20 Grad 300 m pro Sekunde bzw. 1234,8 km/h entspricht, und schätzte 1000 km/h, was die Hausmeister als korrekte Antwort gelten ließen.

Fantasy Film Fest-Fans empfehlen in diesem Zusammenhang zwingend den ebenso humorvollen wie ereignisreichen Film “The Bird People in China“ und das für Bowie-Liebhaber kaum zu ertragende Drama „Der Mann der vom Himmel fiel“!!!


17) Woher kommt „kein Blatt vor den Mund nehmen“?
3 Minuten vor Sendungsende las Dagi die Antwort als Hilfestellung für die rechtzeitige Outro-Musik aus dem Internet vor: „Theaterbrauch, nach dem Schauspieler obszöne und anstößige Partien ihrer Rollen durch ein Blatt Papier hindurch (mit verdecktem Mund) sprechen mussten. Seit dem 16. Jahrhundert wird Blatt aber auch häufig als Rebenblatt gedeutet, so dass zusätzlich an die vom Wein gelöste Zunge gedacht werden kann“.

Dann bin ich gespannt, wer heute Nacht auf der Geburtstagsparty kein Blatt vor den Mund nimmt….

Punktenotation:
1) Matthias/Bad Homburg: 14
2) Thorsten/@LaLeLu2007de: 9
3) Dagi/@PulverJenny: 6
4) Margarethe: 5
5) Ben: 4
6) Dogan:4
7) Alexander: 3
7) Armin: 3
79) Frank/Sindlingen: 3
10) Jochen: 2
10) Katrin: 2
10) @Koffi:2
13) Marcel: 1
13) Ute:1
15) Ivo: 0

Keine Kommentare: